Beiträge von Patty8400

    Hallo zusammen,

    da mich das Thema sehr interessiert und die aktuellen Wetterbedingungen in Wien (Schneefahrbahn bei –4 °C, rutschig) ideal dafür sind, habe ich mich kurzerhand in mein Auto gesetzt (BYD Seal AWD, seit 01.11.2025) und mir ein paar steilere Straßen gesucht, um selbst zu testen.

    Fahrmodi ohne iTAC

    Eco-Modus:

    Beim Anfahren auf schneebedeckter, steiler Fahrbahn schiebt überwiegend das Heck an – aber nicht ausschließlich. Mehrfach konnte ich beobachten, dass auch das linke Vorderrad sporadisch durchdreht.

    Damit widerspricht meine Erfahrung der oft gehörten Aussage, dass im Eco-Modus nur der Heckmotor arbeitet – das stimmt so nicht.

    Fakt ist jedoch: Der Großteil der Kraft geht klar an die Hinterachse.

    Normal- & Sport-Modus:

    Im Normal-Modus bekommt die Vorderachse deutlich mehr Leistung als im Eco-Modus – das ist deutlich spürbar.

    Zwischen Normal und Sport konnte ich hingegen keinen signifikanten Unterschied mehr bei der Kraftverteilung feststellen.

    Wenn ich es grob in Zahlen ausdrücken müsste:

    • Eco: ca. 90 % hinten / 10 % vorne

    • Normal: ca. 70 % hinten / 30 % vorne

    • Sport: ca. 65 % hinten / 35 % vorne

    Schneemodus

    Hier war der Unterschied enorm:

    Ich hatte sofort Traktion und kam auch auf sehr steilen Straßen problemlos weg – kein Vergleich zu den drei anderen Modi.

    Gefühlt verteilt das Fahrzeug hier die Leistung nahezu 50:50.

    Es wirkt fast so, als würde jedes Rad einzeln angesteuert (je ~25 %) – quasi wie eine elektronische Differenzialsperre.

    Ob das technisch wirklich so umgesetzt wird, kann ich nicht sagen, aber vom Fahrgefühl her war es absolut überzeugend.

    Fazit:

    Für Bergstraßen im Winter → unbedingt Schneemodus verwenden!

    Wirkt wirklich Wunder.

    iTAC ON vs. OFF

    Blau iTAC on, Grau iTAC off! Für mich ergibt nur diese Darstellung Sinn, da sie logisch zu den übrigen Anzeigen im Fahrzeug passt.

    Mit iTAC ON konnte ich nur ein minimal besseres Anfahrverhalten feststellen. Teilweise etwas besser, teilweise gleich – insgesamt kein wesentlicher Unterschied.

    Auffällig war jedoch:

    Bei stärkerem Strom geben ;) greift das System deutlich stärker ein und regelt früher zurück als mit iTAC OFF.

    Zur Kurvendynamik und zum gezielten Ausbrechen kann ich leider keine fundierten Aussagen treffen. Das wäre definitiv spannend im Rahmen eines Fahrsicherheitstrainings auf einer Schleuderplatte zu testen. Im normalen Straßenverkehr wird man den Wagen hoffentlich ohnehin nicht in Situationen bringen, in denen man diese Funktion wirklich ausreizen muss.

    Verbrauch & Effizienz

    Technisch klar:

    • Vorne: Asynchronmotor → weniger effizient

    • Hinten: Permanentmagnet-Synchronmotor → effizienter

    Logische Konsequenz:

    Wer möglichst weit kommen möchte, sollte darauf achten, dass hauptsächlich der Heckmotor arbeitet.

    Das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen:

    Mit iTAC OFF scheint der Verbrauch minimal niedriger zu sein – vermutlich weil der Frontmotor seltener aktiv ist.

    Allerdings sind die Unterschiede so wie ich feststellen konnte zumindest beim Anfahren sehr gering und im Alltag kaum relevant.

    Bei einer konstanten Autobahnfahrt (z. B. über 350 km) bezweifle ich, dass sich ein messbarer Unterschied im Verbrauch ergibt – vorausgesetzt, der Frontmotor wird bei gleichmäßiger Geschwindigkeit nicht dauerhaft mitgenutzt.

    Das lässt sich allerdings nur schwer überprüfen. Hier wären Aussagen eines BYD-Technikers mit tieferem Systemeinblick extrem interessant.

    Sollte es aus irgendwelchen Gründen doch so sein, dass im iTAC-Modus – der ja primär für Fahrzeugstabilität zuständig ist – der Frontmotor bei konstanter Fahrt öfter aktiv ist (z. B. zur Verhinderung eines ausbrechenden Hecks bei Regen), könnte sich das natürlich spürbar auf den Verbrauch auswirken. Dies kann ich leider auch nicht ganz beantworten....

    Idealerweise müsste man das einmal mit einem OBD-Reader überprüfen und die Leistungsdaten beider Motoren auslesen. Leider funktioniert das bei meiner aktuellen Software-Version 2.1 momentan noch nicht. Damit ließe sich dieses Thema wohl endgültig klären.

    Persönliches Fazit

    Kurz gesagt:

    Wer auf maximale Reichweite aus ist und wirklich jeden Kilometer aus diesem Prachtstück herausholen möchte, fährt am besten im

    ➡️ Eco-Modus mit iTAC OFF

    Nach meiner Testfahrt bin ich mir persönlich trotzdem noch nicht ganz sicher, ob ich iTAC dauerhaft ein- oder ausschalten soll. Klar bringt das System gewisse Vorteile, diese halten sich im normalen Straßenverkehr aber eher in Grenzen.

    Im Eco-Modus fahre ich ohnehin fast immer, da sich hier für mich die Leistungsannahme am besten dosieren lässt – ohne dass man gleich ungewollt in den Sitz gedrückt wird.


    Für mich ist das letztlich eine Frage der Priorität: minimal geringerer Verbrauch oder ein kleines Plus an Sicherheit. Gerade auf der Autobahn hat es meiner Meinung nach vermutlich deutlich mehr Einfluss auf den Verbrauch, ob man ein paar km/h langsamer fährt, als ob iTAC ein- oder ausgeschaltet ist. Man könnte das Ganze noch weiterdenken und argumentieren, dass im Normal-Modus oder mit iTAC ON der Reifenabrieb gleichmäßiger ist, weil die Vorderachse stärker mitarbeitet – aber da muss man die Kirche auch im Dorf lassen 😄