Beiträge von Schwarzwaldbube

    Um mal eine Lanze für Autoverkäufer zu brechen...

    Doch natürlich wollen sie das. Aber wie jeder Mensch hat auch ein Autoverkäufer nur endlich viel Zeit. Der effizienteste Weg ist es also möglichst viele Autos in möglichst kurzer Zeit zu verkaufen. (...) Perfekt sind natürlich Großabnehmer und/oder Flottenkunden. Die haben in der Regel gar keine Betreuung nötig (...) Nur weil man einmal alle paar Jahrzehnte ein Auto für 30-50.000€ oder auch für 100.000€ kauft ist man weit, weit weg von einem Premiumkunden (aus Sicht eines Autoverkäufers). Wer alle 5 Jahre für 100.000€ ein Auto kauft, macht im Durchschnitt 20.000€ pro Jahr Umsatz. Das machen (wirklich) große Flottenkunden tlw. bei den großen Herstellern pro Tag! Warum sollte ein Verkäufer also einen Privatkunden als "König" bedienen, wenn der Outcome nur ein Bruchteil eines Großkunden ist?

    Ich kann Deiner Argumentation zwar folgen, finde die Begründung gleichwohl aber zynisch. Von mir aus kann jeder Händler entscheiden, ob er bevorzugt oder gar ausschließlich an Flottenkunden oder Privatkunden verkaufen möchte. Dann soll er halt ein Schild "Nur B2B-Kunden" an seinen Laden hängen, dann ist man gewarnt und versucht sein Glück dort gar nicht erst.

    Abgesehen davon: Ich habe nie erwartet, dass man mir einen roten Teppich ausrollt, einen Luftballon aufpustet oder mir zur Begrüßung einen Kaffee kredenzt. So vermessen bin ich gewiss nicht. Aber diese gelangweilte Ignoranz mit einer Mischung aus "Hoffentlich spricht er mich nicht an" und der Attitude "Ach, der will ja maximal nur einen statt 20 Neuwagen kaufen, das ist ja völlig uninteressant" geht meines Erachtens überhaupt nicht.

    Wenn ich in einen Laden gehe, ganz gleich welchen Sortiments, erwarte ich einfach eine Grundfreundlichkeit und Höflichkeit, die im Einklang mit mitteleuropäischen Umgangsformen steht. Nach meinen Infos beträgt die übliche Marge beim Neuwagenverkauf brutto 10 bis 15 Prozent des Listenpreises, das wären beim Seal etwa 4000 bis 6000 Euro. Selbst wenn davon noch die Hälfte für Fixkosten des Händlers wegginge, sollte man doch erwarten, dass auch ein Gewinn von 2000 bis 3000 Euro ausreichen sollte, um eine halbe Stunde der kostbaren Verkäuferzeit für eine Probefahrt und die Beantwortung von ein paar Fragen zu investieren.

    Selbst beim Mediamarkt oder vor allem bei den vielen kleinen oft inhabergeführten Fachgeschäften gibt es bisweilen durchaus großartige Beratungen. Und das, obwohl die Marge etwa beim Verkauf eines Fotoapparats signifikant kleiner ist. Trotzdem machen sie es, und das ist auch gut so. Insofern bin ich nicht bereit, mir die hochmütige Denke zu eigen zu machen, ich müsse mich als Kunde fast dafür schämen, lediglich alle paar Jahre einen Neuwagen für 50000 Euro kaufen zu wollen.

    Gruß aus dem Schwarzwald!

    Moin,

    seit ein paar Monaten umkreise auch ich das Thema E-Auto-Kauf. Und natürlich habe ich dabei den BYD Seal in die engere Auswahl genommen. Allerdings scheint es unmöglich zu sein, sich das Auto in meiner Ecke des Südwestens auch tatsächlich in natura anschauen zu können.

    Schon vor ein paar Wochen war ich beim Händler in Rottweil und musste leider feststellen, dass sich kein Seal im Ausstellungsraum befand. Also kein Probesitzen, kein Prüfen, beim Bemessen, kein Sammeln haptischer Eindrücke. Vorhanden war dagegen ein Seal U, aber die nicht verschiebbare Kopfstütze war für mich leider ein K.O-Kriterium, weil es permanent im Nacken drückte.

    Weitaus mehr geärgert hat mich allerdings, dass kein Mitarbeiter von mir Notiz nahm, obwohl fast nichts los war. Ich wurde weder begrüßt noch angesprochen, obwohl ich 45 Minuten im Laden unterwegs war. Das fand ich dann doch ein wenig ungewöhnlich und auch nicht sonderlich klug. Kurioserweise war es in der direkt angrenzenden Mercedes-Halle keinen Deut anders. Hätte dort gerne einen EQE angesehen. Wollen die womöglich gar keine Autos mehr verkaufen? Ich habe dann für mich entschieden, dass ich ihnen nicht hinterherlaufen werde.


    Gestern unternahm ich dann einen zweiten Anlauf und fuhr extra nach Stuttgart zum BYD Pioneer Store (hin und zurück immerhin 200km). Ich hatte die Hoffnung, dass der Hersteller es in eigener Verantwortung besser macht und wenigstens in der Landeshauptstadt Eindruck schinden möchte. Doch was soll ich sagen? Kein Seal in der Ausstellung, kein Sealion, nicht einmal ein Seal U. Auch hier das gleiche Bild: Drei oder vier Mitarbeiter saßen am Schreibtisch und taten beschäftigt. Erst auf meine zögerliche Nachfrage sprach jemand überhaupt mit mir und meinte gelangweilt: Nö, kein Seal da, den hätten sie letzte Woche verkauft. Ich soll es doch in ein paar Wochen wieder versuchen.

    Geht's eigentlich noch? Wir leben doch nicht mehr in der DDR, wo man dankbar 12 Jahre auf einen Trabant warten durfte und dementsprechend bereitwillig blind bestellt hat! Wenigstens die Flagship Stores sollten doch wenigstens die Modelle vor Ort da haben, schließlich fungieren sie hier als die zentralen Multiplikatoren. Aktuell weiß ich nicht, ob ich das Verhalten für Geschäftsuntüchtigkeit oder Überheblichkeit angesichts der unerwartet guten Absatzzahlen halten soll. Service und Kundenzugewandtheit stelle ich mir jedenfalls anders vor - nicht in Form gelangweilt vorgetragener Kundenvergraulung.

    Der einzige Trost, auch wenn es keiner ist: In Stuttgart war ich auch noch bei Xpeng und wollte den P7+ anschauen. Auch hier Fehlanzeige: Der Aussteller kommt vielleicht Ende Juni.

    Ich für meinen Teil habe jetzt die Nase voll und werde meinen Komfort-Diesel kommenden Monat nochmals durch den TÜV schleusen und im Zweifel zwei weitere Jahre fahren. Vielleicht gibt es bis dahin ja auch ein paar echt bunte Farben für den Seal jenseits des Rots, das ja noch niemand in natura gesehen hat.

    Frustrierte Grüße aus Südwest!