Kurzes Update von mir: Mein Händler liefert aktuell die Februar-Bestellungen aus, deckt sich also mit dem, was hier auch schon andere berichtet haben. Ich bin April-Besteller, bei der Bestellung hieß es noch "wir sind bei ca. 3 Monaten Lieferzeit, schreiben zur Sicherheit aber mal 4 Monate auf". Nach dem heutigen Update soll ich mich jetzt eher auf insgesamt 6 Monate einstellen.
Hab deswegen mit meinem Verkäufer länger gequatscht, warum das bei manchen so unterschiedlich läuft und warum es gerade überall länger wird. Fand ich spannend, deshalb hier mal zusammengefasst:
BYD plant die Produktionskapazität als rollierender forecast und verteilt sie auf die Märkte (Asien, Europa, Amerika...). Das wird bis auf Händlerebene runtergebrochen, jeder Händler bekommt je nach Größe und erwartetem Umsatz ein Kontingent, das er verkaufen darf / soll. Innerhalb des Kontingents geht die Bestellung relativ fix durch. Einige Händler bestellen ihr Kontingent direkt auf Gut Glück. Andere warten bis sie einen echten Kunden haben. Will man mehr als das zugeteilte Kontingent, wird's aufwändig und dauert entsprechend länger. Kenne ich 1:1 vom Fahrradhandel. Der Cube-Händler kriegt z.B. 50 Bikes zugeteilt und ab Kunde 51 wird es zäh mit der Nachbestellung.
Das Ganze läuft übrigens auch pro Modell und Variante. Manche Modelle laufen durchgehend vom Band, andere teilen sich eine Fertigungsstraße, sprich einen Monat wird nur "Boost" gebaut, den nächsten nur "Comfort". Wer die falsche Variante zur falschen Zeit bestellt, wartet halt länger.
Hab hier im Forum auch mal gelesen, dass jemand meinte das mit den Kontingenten und Vorbestellungen sei nur in Österreich so. Mein Händler ist aber definitiv in Deutschland
. Und laut meinem Verkäufer läuft das größtenteils in der ganzen EU so, weil alle im gleichen rechtlichen Rahmen agieren und BYD als Hersteller natürlich keinen Bock hat, für jedes Land eigene Verträge auszuhandeln. Darum ist es in der gesamten EU (mit ein paar minimalen Abweichungen) im Grunde gleich.
Der eigentliche Grund, warum es gerade überall länger dauert: Wegen der extrem hohen Nachfrage in der EU wurden die Forecast-Planungen angepasst, es wurde deutlich mehr verkauft als ursprünglich an Kapazität für Europa eingeplant war. Deshalb schießen die Lieferzeiten gerade hoch, und alle die noch die alten, kürzeren Zeiten genannt bekommen haben, werden jetzt Stück für Stück weiter vertröstet. Genau wie bei mir eben, von 4 auf 6 Monate.
Ist das Auto dann in der EU angekommen, kommt die nächste Variable. Händler müssen über Einkaufs- bzw. Partnerbanken in Vorkasse gehen. Kommt die Zahlung verspätet, verliert das Auto sein Zeitfenster für den Transport zum Händler und rutscht in der Warteschlange nach hinten. Ohne Vorauszahlung keine Transport-Planung.
Und dann fehlt's noch an Transportkapazität an sich, es mangelt an LKWs und Fahrern. Logistiker, die nicht nur Autos fahren, gleichen aktuell lieber die eingeschränkte Rheinschifffahrt aus, weil sich damit gerade mehr verdienen lässt.
Fazit meines Verkäufers: Die Händler fliegen die meiste Zeit komplett blind. Der einzige Moment mit echten Infos ist, wenn das Auto EU-Boden erreicht und die Zahlungsaufforderung kommt. Davor und danach herrscht einfach Funkstille, auch für den Händler selbst.
Klingt für mich alles erstmal plausibel.
Hoffe es hilft dem ein oder anderen hier weiter.
→ Was in der Situation jetzt bei manchen ein Anwalt beschleunigen soll, weiß ich auch nicht. Da wir Kunden alle im selben Boot sitzen und ähnlich vertröstet werden, können die Händler jetzt auch schlecht für jeden Kunden einen Leihwagen bereitstellen
oder bei der Spedition anrufen und sagen "mein Kunde ist aber wichtiger als alle anderen und soll bitte bevorzugt behandelt werden" ![]()