Gravitar …..ich taste mich mal an eine Antwort. Ich werde es nicht in einem Zug schaffen, aber ich versuche es mal aus eigener Perspektive zu erklären. Erstmal ein paar Grundangaben zu meiner Anlage. Baujahr September 2025, 16,2 kWp, 15 kWh Speicher ab Mitte Oktober 2025, Wallbox ab Mitte Dezember 2025. Weitere Infos gibt es hier:
Thema
Ein oder zwei Balkonkraftwerke - der Weg zur großen PVA
So! Bei uns ist der Entschluss gereift, es langsam mit PV angehen zu lassen. Aus finanziellen Gründen ist derzeit eine große PVA fürs Haus nicht im Bereich des Möglichen.
Es trifft sich gut, da ich im elektrischen Bereich so gar keine Ahnung habe (Glühlampe wechseln geht gerade noch so😝), dass ich hoffentlich hier im Forum aufs Schwarmwissen zurückgreifen kann. Danach geht es zum regionalen Stromversorger, weil da muss natürlich was beantragt und genehmigt werden! 🫣🥴 Folgender Plan:
Ein…
Ein paar Infos zur Einspeisvergütung gibt es hier.
Eine kleine Klarstellung gleich zu Beginn:
Der Strompreis in Deutschland besteht nicht nur aus den Beschaffungskosten für denselben. Der Preis ist (wie bei den Preisen an der Tanke) sehr stark staatlichen Einflüssen unterlegen. Sealy Deine oben genannten 29 Cent bestehen zB bei mir zu mehr als der Hälfte (regional etwas unterschiedlich) aus Steuern, Abgaben und Netzentgelten, die staatlich festgelegt werden. Heute sah das zB so aus:
PLZ eingeben und dann seht ihr die Preise für eure Region. Ebenso seht ihr die Aufteilung des Gesamtpreises, den euch zB Tibber in Rechnung stellt, wenn ihr dort nen Vertrag habt.
Die Preise werden zwischen 13 und 15 Uhr des Vortages festgelegt und gelten jeweils für 15 Minuten. Der reine Strompreis sieht so aus:
https://www.vattenfall.de/strom/tarife/oekostrom-dynamik-boersenpreise
Die gesamte letzte, aktuelle Woche sah da so aus:
Screenshot_20260822-201948.Ecosia.pngScreenshot_20260822-201927.Ecosia.pngScreenshot_20260822-201909.Ecosia.pngScreenshot_20260822-201847.Ecosia.pngScreenshot_20260822-201821.Ecosia.pngScreenshot_20260822-213930.Ecosia.png
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Die letzten beiden Screenshots sind die Erträge von Donnerstag, Freitag und der heute Samstag. Donnerstag Auto geladen und fast alles selbst verbraucht, Freitag fast komplett eingespeist. Samstag eingespeist bis 13.30 Uhr (Beginn negativer Strompreis bis ca 16.15), danach Freestyle und Akku geladen. Den werde ich jetzt noch freiwillig bis auf etwa 30% über Nacht entladen. Dazu später mehr.
Soweit zum Vorgeplänkel.
Es gibt in Deutschland EINE bundesweite Förderung für private PVA. Das ist die Befreiung von der Mehrwertsteuer. Es gibt noch ein paar weitere Fördermöglichkeiten in einzelnen Bundesländern, aber hier bei mir gab es definitiv nichts weiter außer die Mwst-Befreiung.
Wenn ich eine Einspeisevergütung bekomme, liefere ich dafür einen Gegenwert, nämlich eine Kilowattstunde. Der Betrag beläuft sich bei mir (siehe zweiter Link) auf 6,8 Cent/kWh.
Da ich erst 2025 gebaut habe, bekomme ich bei negativen Börsenstrompreisen (sieh Link Vattenfall) keine Vergütung, allerdings wird mir diese Zeit an meine 20 jährige garantierte Vergütungszeit drangehängt. Wie das genau funktioniert, muss ich noch ergründen (stundenweise?Tageweise?).
Nach der derzeitigen gesetzlichen Regelung bekomme ich meine 6,8 Cent/kWh auch, wenn der Börsenstrompreis darunter liegt. Kann ICH also erstmal nicht beeinflussen. Allerdings bekomme ich diesen Betrag auch (nur!), wenn ich wie fast täglich im Sommer freiwillig ca 10 kWh von 19 bis 23 Uhr einspeise. Das sind üblicherweise die teuersten Zeiten am Tag. Freitag gab es ebenfalls sehr hohe Tagespreise (relativ wenig Sonne und Wind, Atomflaute in weiten Teilen Europas). Auch da bekomme ich nicht mehr. Also es gibt Zeiten, wo es sich immer wieder ausgleicht. Ich liefere auch zu Zeiten für 6,8 Cent, wenn der Börsenstrompreis deutlich höher liegt. Das sagt euch nur Niemand. Genausowenig ziehe ich KEIN Strom aus dem Netz (seit der letzten Februarwoche), wenn es stark belastet ist. Ich bediene mich dann aus dem Hausakku. Mein Hauptaugenmerk liegt sowieso auf dem Eigenverbrauch, aber an sehr sonnigen Tagen bleibt nun auch mal was über.
Gravitar ….was denkst du eigentlich, wer für die günstigen, teils negativen Strompreise verantwortlich ist? Gas- und Kohlekraftwerke? Nein, ausschließlich Regenerative Energien sorgen für günstige Preise. Ohne diese RE/EE hätten wir Strompreise wie an der Tankstelle. Aber ja, PV und Wind sind furchtbar…..
Und weshalb haben wir im Sommer häufig am WE und an Feiertagen niedrige, teils negative Preise? Weil wenig Verbrauch auf hohe Erträge trifft. Die hohen Erträge sind übrigens planbar. Aufgrund von Wettervorhersagen usw wird ua der Börsenstrompreis berechnet. Ich erhalte für zwei Tage im Voraus Ertragsprognosen von Fronius, die allerdings stark verbesserungsfähig sind. Das stimmt mal mehr, mal weniger.
Günstige Strompreise gibt es also nur, wenn die RE/EE ausreichend Ertrag liefern.
Die Einspeisevergütung gibt es glaube ich seit 2000. Garantiert für 20 Jahre. Dazu zwei Bemerkungen. Die zwanzig Jahre alten PVAs haben auf gleicher Fläche eine sehr viel geringere Leistung als heutzutage. Zudem waren die Preise für alle Komponenten sehr viel teurer. Um das überhaupt irgendwie rentabel zu machen, gab es die ESV. Diese Vergütung verringert sich derzeit halbjährlich. Die alten Anlagen mit geringeren Flächenleistungen und höheren Vergütungen fallen seit 5 Jahren aus der gesetzlichen Garantiezeit. Der dafür notwendige Betrag verringert sich also permanent.
Das von mir verlinkte Vorhaben ab 2027 will nun den Ertrag privater Anlagen begrenzen. Das ist mMn total bescheuert. Weshalb soll man bitte die günstigste Form der Energiegewinnung abregeln? Wir brauchen MEHR Energie, und Gas, Öl und Kohle zu ersetzen und irgendwann grünen Wasserstoff herzustellen, auf den zB die chemische Industrie angewiesen sein wird.
Großwirtschaftliche Anlagen werden teilweise ohne jegliche Vergütung gebaut.
Kurzum, wo es immer noch fehlt sind der Netzausbau, wo wir Jahrzehnte hinter dem Ausbauplan hängen und mehr Speicher, denen gerade politisch das Leben mehr als schwer gemacht wird.
Und die letzten Jahrzehnte zeigen, wenn ein paar Typen auf der Welt verrückt spielen, wird die fossile Energie sehr teuer. Das einzige Mittel dagegenzuhalten ist der konsequente Ausbau von RE/EE, Verteilernetzen und Speichern. Ansonsten wird es unbezahlbar und unsicher. Sonne und Wind gibt es jeden Tag erneut. Mal mehr, mal weniger. Aber anders als noch vor ein paar Jahren gibt es preiswerte Lösungen, um damit umzugehen. Die hohen Preisspitzen beim Börsenstrompreis resultierten nahezu immer aus dem mangelnden Ertrag bei den Erneuerbaren (und den fehlenden Speichern) und hohen Kosten bei den fossilen Energieträgern, die teuer importiert werden müssen. Wir importieren übrigens auch dieses Jahr sehr wahrscheinlich wieder fossile Energie für 70-80 Milliarden Euro. Aber die paar Kröten aus dem EEG für ein paar Stunden Sonne machen den Kohl natürlich richtig fett. ☀️🙄