Wir sollten uns von von der Annahme aus Verbrenner Zeiten verabschieden, wo eine Leistung immer und bei fast allen Bedingungen auch in hohem Fahrzeugalter zur Verfügung steht
Also ohne das "auch in hohem Fahrzeugalter" würde ich mal aus der Aussage streichen. Verbrenner verlieren prinzipbedingt mit dem Alter an Leistung, weil das mechanische Spiel an allen Motorkomponenten mit den Jahren höher wird. Beim Turbo kann man sowas natürlich gut mit Software überdecken, sodass mit höherem Alter "einfach" der Ladedruck angehoben wird - so werden auch höhenbedingte Leistungsunterschiede kompensiert. Ein Verbrenner hat zwar seine Leistung vom Motorstart bis zum Ende der Fahrt, aber es sollte ja jedem bekannt sein, dass Verbrenner es gar nicht mögen kalt "getreten" zu werden, deshalb hält man sich in der Regel zurück - je mehr Leistung ein Fahrzeug hat, desto vorsichtiger sind in der Regel die Besitzer was das warm- und kaltfahren angeht.
Der Unterschied zum Elektroauto ist, dass man als Fahrer nicht (mehr) selbst entscheiden kann, wieviel Maximalleistung zur Verfügung steht, weil das ganze per Software entschieden wird. Wo beim Verbrenner der Druck auf's Gaspedal ggf. zu einem höheren Dauerverschleiß führte, lässt ein Elektroauto diesen "Zusatzverschleiß" eben gar nicht erst zu - zumindest nicht ohne Softwareeingriffe. Die einen sind da sehr progressiv und fahren sehr eng an der Verschleißgrenze entlang - siehe Tesla. Das bedeutet dann, dass das Fenster, wo der Fahrer die volle Leistung abgreifen kann, extrem groß wird. Bei Tesla gibt es zwischen 100% bis ca. 30% kaum Leistungseinbußen. BYD scheint das Thema sehr viel konservativer anzugehen und fängt schon früh an, dem Fahrzeug Leistung wegzunehmen. Am Ende alles eine Frage der Philosophie, der Komponentenauslegung während der Entwicklung und der Softwarekomponenten zum Komponenten/Aggregatsschutz.
Ich gehe schwer davon aus, dass es in spätestens 5-10 Jahren jede Menge "Chiptuning" geben wird, die exakt das Performancefenster in Richtung "oben" verschieben. Analog dem Chiptuning beim Verbrenner werden die Komponenten dabei extremer belastet. Fährt jemand nur 1.000km im Jahr, dafür Vollgas, macht das kaum einen Unterschied. Fährt jemand mit demselben Vollgas 30.000km im Jahr, wird es vermutlich zu einem Schaden kommen. Aber die bisherigen Studien scheinen sich ja alle einig darüber zu sein, dass die Komponenten aktuell (noch) erheblich sicherer ausgeführt sind, sodass Batterien und ggf. Motoren auch 800.000km locker überstehen. Auch hier wird sich über die Zeit herausstellen, wer als erstes in der Qualität "nach unten" geht, um die Marge zu erhöhen. Dann hält ein Auto eben erst nur noch 500.000km, dann 250.000km und irgendwann versucht es jemand zu übertreiben und baut ein "1.4 TSI"- oder "2.0 BiTDI"-Äquivalent als Motor und/oder Batterie ein. Der hält dann eben nur 100.000km, aber das bekommt man natürlich erst nach 5 Jahren überhaupt raus und dann beschweren sich die Kunden.