Um mal eine Lanze für Autoverkäufer zu brechen...
Wollen die womöglich gar keine Autos mehr verkaufen?
Doch natürlich wollen sie das. Aber wie jeder Mensch hat auch ein Autoverkäufer nur endlich viel Zeit. Der effizienteste Weg ist es also möglichst viele Autos in möglichst kurzer Zeit zu verkaufen. Du als privater Einzelkäufer? Der stellt Fragen, der kostet Zeit (für Erklärung etc.), der kauft oft nach der investierten Zeit nichtmal (siehe auch hier "weil bei Händler XY/im Internet billiger") und nach dem Kauf kommt der auch öfter mal mit weiteren Fragen oder kostet anderweitig Zeit. Dazu kommt, dass man ihn oft für einen Neuwagen berät und am Ende die Fragen kommt: "Haben sie denn auch Gebrauchte da?" Und schwupps ist der Neuwagen-Bonus futsch.
Der Firmenwagen-Kunde hingegen ist schon interessanter. Der schaut weniger auf den Preis, den interessiert in der Regel eher die Leasingrate. Der ist in der Regel weniger anstrengend (weil er selbst weiß, wenn das Auto irgendwie nichts ist, dass nach 3 Jahren was anderes kommt) und kauft (oft) nach 3 Jahren einfach einen neuen Wagen - ich kenne Kollegen, die ihrem Verkäufer nur sagen "ich brauche einen Neuen, hier meine Leasingrate, hol das Beste raus" und dann bestellen die, was der Verkäufer vorgeschlagen hat. Auch gut sind natürlich B2B-Käufe. Erstens hat man es dann erheblich einfacher mit Gewährleistung. Außerdem bezahlen die Netto, was weniger Aufwand in der Buchhaltung bedeutet.
Perfekt sind natürlich Großabnehmer und/oder Flottenkunden. Die haben in der Regel gar keine Betreuung nötig, weil die Autos über eine eigene Flottenmanagement-Software gekauft wird. Da wird dann einmal ein Rahmenvertrag diskutiert und dann kommen die Bestellungen einfach nur noch rein. Keine nachträgliche Preisdiskussion, kaum direkten Kundenkontakt bis zum Kaufabschluss und im Nachhinein auch in der Regel "wartungsarm". Dafür regelmäßig massenweise Verkäufe, die den Bonus schön anwachsen lassen.
Wird man also in einem Autohaus als Privatkäufer hervorragend behandelt, dann kann man davon ausgehen, dass der Verkäufer neu ist und noch keinen festen Kundenstamm hat oder das Autohaus generell nicht besonders gut läuft. Ich will das ja auch manchmal als Privatkunde nicht glauben, aber nur weil man einmal alle paar Jahrzehnte ein Auto für 30-50.000€ oder auch für 100.000€ kauft ist man weit, weit weg von einem Premiumkunden (aus Sicht eines Autoverkäufers). Wer alle 5 Jahre für 100.000€ ein Auto kauft, macht im Durchschnitt 20.000€ pro Jahr Umsatz. Das machen (wirklich) große Flottenkunden tlw. bei den großen Herstellern pro Tag! Warum sollte ein Verkäufer also einen Privatkunden als "König" bedienen, wenn der Outcome nur ein Bruchteil eines Großkunden ist?