Weiter geht's...
Am nächsten Tag die Rückfahrt und dieses Mal "pedal to the metal", also wo es frei und unbegrenzt ist mit 190km/h über die Autobahn, wenn man bremsen muss danach wieder weiter mit Vollgas - selbstverständlich alles innerhalb der StVO.
1. Abschnitt Rückfahrt Vollgas
SoC Abfahrt: 100% (Reichweite 530km)
SoC Ankunft: 9% (Reichweite 17km)
Geladen auf: 100%
Gefahrene Strecke: 206km
Interessanterweise jetzt auch nicht so wahnsinnig viel weniger - ich hätte mit erheblich weniger Reichweite gerechnet. Diesmal wieder ein ARAL Pulse. Funktioniert - wunderbar. Gute Pause gemacht, etwas gegessen, bei 100% weitergefahren.
2. Abschnitt Tempomat 100km/h
SoC Abfahrt: 100% (Reichweite 530km)
Das Navi zeigt 386km bis nach Hause. Die Reichweite zeigt 530km. Nach kurzer Zeit wird klar: Das. Wird. Knapp. Selbst bei 100km/h erreicht der Seal nichtmal annähernd seine WLTP-Reichtweite. Ja na klar war das inkl. Kasseler Berge, aber gen Norden, also auch viel Strecke bergab. Aber ja, mit Sitzheizung, mit Klima im Normalmodus etc. Zwischen Göttingen und Hannover dann wirklich keinen Bock mehr auf Tempomat 100 gehabt (es war mittlerweile auch schon 22 Uhr durch) und der Abstand zwischen angezeigter Reichweite und Navi-Entfernung wurde immer kleiner und kleiner. Also Entscheidung: Ich lade nochmal ein paar Minuten und dann wieder mit 150 durch nach Hause. Also Lade-App gestartet... nichts. Einfach nichts. In 50km Umkreis kein einziger Schnelllader an der Autobahn - zumindest keinen, den meine LogPay/Elli-App unterstützt. Also etwas weiter gefahren - noch war es ja kein Problem - und dann nach 50km an eine Raststätte rausgefahren, hier sollen 300kW zur Verfügung stehen. Komme an der Raststätte an, wieder ein eon-Charger, ich ahne Schlimmes, ich sollte Recht behalten. Geh zur Säule hin und sehe nur eine "100kw"-Säule. Mehr konnte ich nicht sehen, denn der Ladebereich vom Rastplatz war unbeleuchtet, stockduster, nicht überdacht und beim Bildschirm-Leuchten wurde man fast blind, wenn die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Also Stecker rein... Initialisierung... Vorbereitung zum Laden... Abgebrochen. Ach wie fröhlich mich das gestimmt hat... Nicht. Also ohne erneuten Versuch direkt weitergefahren. Eine Ladesäule etwas abseits der Autobahn? Auch gut, mittlerweile will ich nur noch nach Hause. Abgefahren, hingefahren. Eine alte Dorftankstelle, aber mit ordentlicher Säule. Die funktioniert auf Anhieb und pumpt auch fleißig 120kW in den Seal. Ansonsten? Unbeleuchtet, mitten im Nirgendwo aber immerhin am Laden. Wo ist das Klo was in den "mit Elektroautos Langstrecke fahren ist super"-Berichten immer vorkommt? Hier nicht, also irgendwo ins Feld pi**en. Wo ist das nette kleine Café bei dem man in den tollen Reiseberichten von E-Autofahrern liest? Hier nicht, also nur das alte Wasser von Gestern süffeln. Als ich dann ca. 20 Min. geladen habe und ca. 60% Akku hatte wieder abgestöpselt, auf die Autobahn und mit Tempomat nach Hause. Dort steht er jetzt mit 16% Akku im Carport und ich? Tjoa ich weiß nicht, wie das andere machen, aber ich hab insgesamt ziemlich genau 8h von Start bis Ziel gebraucht. Mit meinem früheren Verbrenner hab ich die Strecke in 5h und ein bisschen geschafft - ja mit Messer zwischen den Zähnen und zweimal nachtanken, aber egal. Also langsam Fahren und Laden kostet mich auf der Strecke ca. 2-3h Extra-Fahrzeit - klar wenn man eh 2x laden muss, hätte man auch den Klassiker 10-80 machen können - aber was viel wichtiger ist: es kostet Nerven. Wie oft ich in den letzten 25 Jahren an eine Tankstelle gefahren bin, wo eine Säule nicht funktioniert hat (und es nicht schon entsprechend vorab beschildert war)? Ich kann mich nichtmal erinnern. Bei Ladesäulen? Vor allem in letzter Zeit durchaus immer mal wieder.
Jetzt habe ich den Seal nicht erworben mit dem Ziel Langstrecke zu fahren, sondern weil mein sonstiges Fahrprofil auf das E-Auto passt - und als Steuersparmodell, weil Dienstwagen, ist auch klar. Ich bin sicherlich nicht der "Normalo", fahre sehr gerne Auto, habe überhaupt kein Problem damit schnell oder lange Auto zu fahren und bin auch schon von Paris nach HH in einem Rutsch durch und dachte beim Aussteigen: "Schade, dass ich nicht nochmal zurück muss". Auch meine Kids haben überhaupt kein Problem damit 4-6h im Auto zu sitzen, wenn wir irgendwo hinfahren (ja da machen wir in der Regel eine kurze Pause, aber sicherlich nicht 1h lang). Eine Strecke Hamburg nach München fahren ich locker ohne Pause bzw. nur mit Klopause, wenn man eh tanken muss. Ich BRAUCHE also keine Pause alle 2h und fahre bei 120 Tempomat eher unaufmerksamer, als bei 180 ohne Tempomat (beim Verbrenner so ziemlich meine "Reisegeschwindigkeit", wenn ich irgendwo hingefahren bin).
Das E-Auto ist (noch) nicht für jeden und schon gar nicht für jeden Einsatzzweck sinnvoll, das ist mir vollkommen klar - auch deshalb bin ich niemand, der andere unbedingt vom E-Auto überzeugen will, das muss jeder für sich selbst wissen. Aber das Gestern war echt ernüchternd. Vor allem die Reichweite von nur knapp 200-220km bei meiner "normalen" Langstrecken-Fahrweise ist echt zu wenig. Da schaffe mein BMW vorher selbst bei sehr hohem Tempo locker 400km. Wenn ich mir dann auch noch vorstelle, dass ich neben dem E-Säule-Suchen auch noch Preise vergleichen müsste... Ich habe ja das große Glück eine Ladekarte meines Arbeitgebers zu haben. Dann fallen ja noch mehr Säulen weg, die man nicht anfahren will bzw. die Suche wird noch aufwändiger. Eigentlich müsste man auch ranfahren zum Säule suchen am Smartphone, damit man das nicht während der Fahrt machen muss - wie geschrieben: eigentlich.
So und nun dürft ihr mir sagen, wo ich mich falsch verhalten habe und wie man es besser macht. Aber ich kann schon vorab sagen: Ich kaufe mir kein Auto mit über 500PS und allem Schnick und Schnack, nur um am Ende mit 80 hinter'm LKW herumzuschleichen und nichts von den Funktionalitäten des Autos zu nutzen, weil das alles Strom frisst. Natürlich hätte beides erheblich mehr Reichweite gebracht, aber da würde ich ja einschlafen und erfrieren, bevor ich da bin. Also das nächste Mal vermutlich wieder Bahnfahren, die braucht nämlich im Regelfall nur 5h und man kann tatsächlich noch ein bisschen was nebenher tun. Ja da gibt es andere Probleme, aber mit dem E-Auto werde ich mir solche Strecken vermutlich eher nicht mehr antun - außer bei der Fahrt in den Urlaub wenn man WIRKLICH Zeit mitbringt und Wert auf ein eigenes Auto vor Ort legt.